Die Geschichte der Feuerwehr Blumau
1916
 
Die Feuerwehr Blumau wird zum Schutz der im Ort ansässigen K.u.K. Pulverfabrik als K.u.K. Berufsfeuerwehr gegründet und das erste Jahr im Wirtschaftshof in Blumau untergebracht (Siehe auch Fotos). Die Wichtigkeit dieser Wehr wurde durch den Ankauf von drei Autospritzen der Type Gräf & Stift D609 unterstrichen, was ein Hinweis darauf ist, dass sich die Monarchie, welche sich gerade mitten im 1. Weltkrieg befand, keinesfalls einen Ausfall der Fabriken durch einen Brand oder gar einer Explosion leisten konnte, da besonders viele kriegswichtige Produkte, wie Dynamit und Dynamon, Kunstsalpeter, Pikrinsäure, Nitroglycerin und Trinitrotoluol, in diesen Anlagen erzeugt wurden.
     
 
  Der 1. Feuerwehrhauptmann der Berufsfeuerwehr war Josef Friedrich, welcher bei der großen Explosionskatastrophe am 25. Mai 1922 im Einsatz auf tragische Weise ums Leben kam.
 
 
  Das Aushängeschild der neu gegründeten Berufsfeuerwehr war ohne Zweifel der Gräf & Stift D609, eine Autospritze welche von der Fa. Knaust aufgebaut worden ist. Die BF Blumau wurde gleich mit 3 dieser Autospritzen ausgestattet, eine Besonderheit wenn man bedenkt, dass sich die Monarchie mitten im 1. Weltkrieg befand und Ressourcen mehr als nur spärlich vorhanden waren.
Schon mit Vollgummireifen ausgestattet konnte die 60 PS starke Autospritze bis zu 10 Mann schnell zum Einsatzort befördern. Ausgestattet mit einer Kaust-Hochdruck-Zentrifugalpumpe konnte im Brandfall bei 9 Atm eine Pumpenleistung von 1.500 l/Min erzielt werden, bei Freiauslauf gar 2.000 Liter pro Minute, für die damalige Zeit eine Hochleistung.
An Ausrüstung wurden 800 m Druckschlauch, 10m Saugschlauch sowie diverses Bergewerkzeug mitbefördert.
 
 
1917
 
Wurde die neue Feuerlöschzentrale im Ortsteil Neurißhof fertiggestellt und hochmodern ausgestattet. Während viele Feuerwehren Niederösterreichs wenn überhaupt nur kleine Feuerwehrhäuser besaßen, wurde die Feuerlöschzentrale mit Kommandantenzimmer, Telegraphenzimmer und sogar einen eigenen Turnsaal ausgestattet. Die Schlafräume im Obergeschoss waren mittels Stangen mit der Garage verbunden, damit die Einsatzfahrzeuge auch Nachts schnell erreicht werden konnten. Eine Besonderheit stellte sicher der äußerst markante Feuerwehrturm dar, welcher einerseits zum Trocknen der Hanf-Schläuche nach einem Einsatz verwendet wurde, aber andererseits auch als Aussichtsturm diente.

 
 

1918  

Am 5. April kommt es zu einer verheerenden Explosion in der Betriebsinspektion VI, der "Pikrin". Die Berufsfeuerwehr Blumau wurde angefordert und zur Brand-bekämpfung eingesetzt. Die Explosion war eine der schwersten in der Zeit der Pulverfabrik und forderte 35 Menschenleben in der Arbeiterschaft. Auslöser dürfte der äußerst schlechte Zustand der Betriebsanlagen gewesen sein. Der spätere, langjährige Kommandant Franz Johanninecz hatte bei diesem Einsatz seine "Feuertaufe".
 
1922  

Die große Explosion...

Am 25. Mai kommt es in der Betriebsinspektion I, der Dynamit- und Dynammonfabrik zu einem Brand in einem Läuferwerk. Löschversuche der anwesenden Arbeiter schlugen fehl, da bei den Hydranten vor Ort zu wenig Druck vorhanden war.
Per elektrischer Fernmeldeanlage wurde inzwischen die Berufsfeuerwehr Blumau alarmiert, welche sich sofort mit 7 Mann unter der Führung von Feuerwehrhauptmann Josef Friedrich in Bewegung setzte. In Unkenntnis der Sachlage wurden die ersten Löschversuche mit dem Hydranten durchgeführt, diese schlugen jedoch ebenfalls fehl.
Sofort nahm die Autospritze bei einem nahegelegenen Wasserbassin Aufstellung und kaum hatte man mit den Löscharbeiten begonnen ereignete sich eine kurze, dann in weitere Folge zwei große Explosionen. Die Druckwelle erfasste die Mannschaft der BF Blumau mit voller Wucht, 3 Kameraden waren auf der Stelle tot, Kommandant Josef Friedrich wurde schwerst verletzt und verstarb kurz darauf. Die Aufbauten der Autospritze sowie des Rettungswagens wurden durch die Explosion zerfetzt, die restliche Mannschaft lag verletzt unter den Trümmern.

Die weiteren Löscharbeiten wurden mit größtem Einsatz von der Berufsfeuerwehr Wien, der Betriebsfeuerwehr der Sprengstoffwerke Wöllersdorf sowie von den freiwilligen Feuerwehren in der Umgebung (wie Sollenau, Wr. Neustadt, Baden,...) sowie von der restlichen Mannschaft der BF Blumau durchgeführt.

Es war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Feuerwehr Blumau. Hauptmann Josef Friedrich, Karl Reiter, Franz Matejka und ein weiterer Feuerwehrkamerad starben in diesem Einsatz, ein Beispiel treuer Pflichterfüllung, den sie mit ihrem Leben bezahlen mussten. Ihre Namen stehen noch heute auf einer Gedenktafel am Friedhof Blumau. Insgesamt forderte das Unglück 24 Tote, größtenteils in der Arbeiterschaft!

             

   

 
   

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